Paracetamol in der Schwangerschaft

Es wurde kürzlich in mehreren Studien untersucht, ob Paracetamol in der Schwangerschaft wirklich unbedenklich ist. Die Ergebnisse sind leider wenig erfreulich.

Paracetamol ist ein bewährter Wirkstoff zur Behandlung von Schmerzen und Fieber. Rezptfrei zu erhalten, galt es lange Zeit in der Schwangerschaft als sicheres Medikament. Generell gilt, dass Schwangere auf Medikamente verzichten sollten, die nicht zwingend notwenig sind. Bisher jedoch hielt man Paracetamol in der Schwangerschaft z.B. bei Kopfschmerzen für unbedenklich und Ärzte gaben für die Einnahme grüns Licht.
Seit kurzer Zeit mehren sich jedoch Studien, die diese Unbedenklichkeit in Frage stellen.

Paracetamol und ADHS

Zunächst haben Studien ergeben, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen Paracetamol in der Schwangerschaft und ADHS bei den geborenen Kindern gibt. Allerdings hieß es, man müsse weitere Studien durchführen, um dies sicher nachzuweisen, da das Ergebnis hauptsächlich auf der Selbstauskunft der Schwangeren beruhte.
Eine Studie, die im November 2017 publiziert wurde, hatte 100.000 Frauen nach ihrer Einnahmme von Paracetamol in der Schwangerschaft befragt. Von diesen Frauen hatten knapp die Hälfte das Schmerzmittel eingenommen. Im Ergebnis zeigte sich, dass das ADHS-Risiko der geborenen Kinder erheblich erhöht war, wenn die Mutter in der Schwangerschaft mehr als 7 Tage lang Paracetamol eingenommen hatte. Bei einer Einnahme des Medikaments über mehr als 29 Tage war sogar eine doppelte Wahrscheinlichkeit für ADHS Symptome beim Kind festzustellen.
Dieses Ergebnis deckte sich mit Studien der Universitäten in Bristol und Cardiff in Großbritanien. Dort hatte man u.a. festgestellt, dass die Einnahme von Paracetamol in der 18. Schwangerschaftswoche zu vermehrten Verhaltensauffälligkeiten und Hyperaktivität führten. Auch im späteren Verlauf der Schwangerschaft zeigte sich Paracetamol als problematisch. So war bei der Einnahme in der 32. Woche eine deutliche Erhöhung der emotionalen und Verhaltens-Probleme beim geborenen Kind zu beobachten.

Paracetamol und Spachentwiclung

Eine im Januar 2018 veröffentlichte Studie zeigte auch noch andere Probleme, die im Zusammenhabg mit der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu stehen scheinen.
So hat Shanna Swan, Professorin von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York City, mit ihrem Team die Sprachentwicklung von Kleinkindern untersucht, deren Mütter in der Frühschwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten. Meist handelte es sich dabei um den Zeitraum zwischen der 8.SSW und 13. SSW. Die Daten beinhalteten u.a. Messungen des Paracetamol-Spiegels im Urin der Schwangeren.
Später wurde die Sprachentwicklung der geborenen Kinder durch Spezialisten untersucht. Von allen untersuchten Kindern hatten 10% eine verzögerten Sprachentwicklung, d.h. sie beherrschten weniger als 50 Wörter im Alter von 30 Monaten. Dabei waren Jungen mehr betroffen als Mädchen. Jedoch änderte sich das Bild bei der Gruppe von Kindern, deren Mütter sechs oder mehr Tabletten in der frühen Schwangerschaft eingenommen hatten. Hier war eine 6-fach höhere Sprachentwicklungs-Verzögerungen zu finden und Mädchen waren deutlich mehr betroffen als Jungen. Eine Verzögerung der Sprachentwicklung gilt als frühes Anzeichen für mögliche Probleme in der neurologischen Entwicklung von Kindern.

 

Paracetamol in der Schwangerschaft & Fruchtbarkeit

Dessen nicht genug, hat eine Studie der Universität von Edingburgh ergeben, dass in den letzten Wochen des ersten Trimesters die Einnahme von Paracetamol Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Mädchen nimmt. Die an Mäusen durchgeführte Studie ergab, dass sie die Entwicklung der reproduktiven Organe – sprich Eierstöcke – stört. Es wurde festgestellt, dass die Nachkommen weniger Eizellen produzierten und – was besonders überraschte – dass diese Störung auch auf die nächste Generation übertragen wurde, selbst wenn diese Elterngeneration in der Schwangerschaft kein Paracetamol mehr eingenommen hatten. Dieses Ergebnis wurde in drei von einander unabhängigen Studien gefunden.

 

Ist Paracetamol in der Schwangerschaft nun tabu?

Soll man in der Schwangerschaft also komplett auf Paracetamol verzichten? Die Antwort hierauf scheint nach diesen Studien einfach, jedoch ist dabei mehr zu bedenken: Wenn Schwangere erkranken, kann hohes Fieber ebenfalls Schäden beim Ungeborenen verursachen. Auch andauernde Schmerzen können sich negativ auf die Schwangere und somit auf das Baby auswirken. Es muss also von Fall zu Fall abgewogen werden, ob der Einsatz von Paracetamol in der Schwangerschaft die möglichen Risiken wert ist. Auch scheinen die Dauer und der Zeitraum der Einnahme eine Rolle zu spielen.

Ganz zweifelsfrei müssen weitere Studien erfolgen, um bessere Richtlinien für die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft zu entwickeln und somit für die nachkommende Generation sicherer zu machen. Zurzeit ist es ratsam, sich vor der Einnahme von Paracetamol – wie auch bei allen anderen Medikamenten – mit dem Frauenarzt zu beraten und Nutzen und Risiken abzuwägen.

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